Stefans misslungene Versuche in der Astrofotografie


Der Mond
Aufgenommen mit der D800E und dem 300/4 von Nikon

Ich habe mir in letzter Zeit immer wieder mal die Frage gestellt, weshalb ich eigentlich diesen Blog betreibe. Ich habe aus unterschiedlichen Gründen nicht so viel fotografiert wie gewohnt und wenn, dann in Themenbereichen, die zur Veröffentlichung nicht so gut geeignet sind (Akt, Teilakt…). Wer nicht viel zu zeigen hat, kann logischerweise auch nicht viel veröffentlichen. Glücklicher weise bin ich dann doch wieder über meinen „Über mich“ Text gestolpert und habe mich wieder entdeckt. Es geht in meinem Blog nicht darum, nur schöne Bilder zu zeigen, dafür mache ich zu wenige aus meiner Sicht, sondern eher darum, ein Publikum an meinem fotografischen Weg teilhaben zu lassen und damit ggf. auch zu unterhalten. Was liegt dann wohl näher, als auch mal über die misslungenen Versuche zu berichten. Ich kann gut über mich selbst lachen, also gebe ich mich dann auch mal der Öffentlichkeit preis.

Wie man ja an meinen bisherigen Veröffentlichungen so sehen kann, bin ich thematisch nicht festgefahren. Ich fotografiere so ziemlich alles, was mir vor die Linse kommt. Dies aber einigermassen geordnet. So wechsle ich nach Lust und Laune zu unbestimmten Zeitpunkten gerne mal das Thema und bleibe dann für eine geraume Zeit an was neuem. Nach diversen Peopleshootings (Portrait, Teilakt…) muss nun wieder was anderes sein. Momentan habe ich wieder meine Freude am Sternenhimmel entdeckt und werde einige Versuche unternehmen, diesen auf Bilder zu bannen. Ich habe das schon mal vor 2 Jahren versucht, aber das ging gewaltig in die Hose :-D. Hier die Geschichte.

Eine Liebe zu den Sternen hatte ich schon immer, die Fotoausrüstung war auch da, bis hin zum supertollen und auch superteuren 500/4 von Nikon. Wer solche Linsen hat, der muss sie auch einsetzen. Was liegt wohl näher, als sich damit auch mal an den Sternen zu versuchen. Erste Informationen über die Astrofotografie habe ich mir in der Sternwarte um die Ecke geholt und das Feuer war entfacht. Die Ausrüstung einfach so aufs Stativ und losknipsen geht bei den Sternen leider nicht, die Belichtungszeiten sind viel zu lange und der Sternenhimmel ist in Bewegung. Folglich musste ein anderes Stativ her. Dazu gleich mal in den nächsten Shop und ein dafür taugliches Teil besorgt. Das Ding wiegt mal so seine bescheidenen 25 KG incl. Stativkopf mit Motor für die automatische Nachführung und Ausgleichsgewichten. Dann natürlich gleich auch ne Go-To-Steuerung dazu. Einfach schön, man gibt in einem kleinen Handteil das Sternbild ein, das einen interessiert und das ganze System fährt computergesteuert von alleine dort hin, wo man will (so sollte es zumindest sein). Den ganzen Sums mit Sternkarten kann man sich damit sparen, kein planloses Gesuche in den endlosen Weiten des Alls, damit bin ich schlichtweg überfordert.

Jetzt war ich bereit, an Ausrüstung hatte ich alles, was man zum Einstieg braucht, aber das Wetter spielte nicht mit. Über Wochen bedeckter Himmel bzw. wenn dann doch mal gute Sicht war, hatte ich anderes zu tun. Irgendwann hat es dann doch geklappt, Wetter gut, alles gut -;-). Mal schnell meinen Kumpel Moritz angerufen, am Abend abgeholt und schon war das nächste Problem da: wohin??? So als Stadtmensch hat man es schwer, zu viel Lichtsmog hier in Augsburg und Umgebung, Richtung Süden geht auch nicht, da kommt schon wieder das ganze Licht aus der Münchner Ecke. Also ab nach Westen. Geistig Aktennotiz: Stefan, altes Sackgesicht, mach Dir künftig auch dazu im Vorfeld Gedanken!!! Naja, irgendwann haben wir dann doch einen passenden Platz gefunden. Nun ging es ans Aufbauen der Ausrüstung. Hatte ich ja schon zu Hause geübt, sollte also nicht schwer sein. Damit alles funktioniert, noch passend ausrichten, dazu gibt es im Stativ selbst eine kleine Optik, womit man die Montage am Stella Polaris (Polarstern) orientieren kann. Polaris liegt so ziemlich genau am nördlichen Himmelspol und verändert daher nicht seine Position. Nachdem alles aufgebaut und ausgerichtet war, her mit dem Strom für die Elektronik. 12Volt-Anschluss, perfekt, einfach rein in den Zigarettenanzünder vom Auto. Es folgten erstaunte und verärgerte Blicke und Flüche von Moritz und mir… Mist, das Kabel ist zu kurz!!! Nun gut, alles wieder auf Anfang, das gesamte Zeugs (nun rund 30 KG schwer, da Kamera und Optik ja auch schon drauf waren) umgestellt und erneut ausgerichtet. Irgendwann war das dann auch geschafft. Strom war da, Ausrichtung stimmt, also her mit der Steuerung und ein Sternbild gewählt. Die Montage fuhr los, aber in die falsche Richtung…. Stundenlang waren wir dann damit beschäftigt, die ganze Montage in unterschiedlichsten Varianten umzubauen bis alles fehlerfrei lief. Leider habe ich das nicht notiert, so stehe ich nach wie vor vor dem gleichen Problem, dass hier ein Fehler im System zur optischen Ausrichtung vorhanden ist. Ich werde dann wohl noch einige Nächte des Tests brauchen, um alles zum Laufen zu bringen. Moritz, hast Du Zeit und Lust, ich geb auch ein Bier aus :-D. Die Optik haben wir auch gewechselt, vom langen 500er auf das kurze 300er, da ich Angst vor einer Beschädigung des Objektivs hatte, wenn es wieder in die falsche Richtung fuhr. Dann stiess nämlich die Optik an die Stativbeine und das fand ich nicht witzig. Das kurze 300er hingegen war da problemlos.

Jedenfalls waren wir nun an einem Punkt, wo alles funktionierte, wie es sollte und wollten Bilder machen. Nur, welche Einstellungen an der Kamera sind denn sinnvoll??? Offenblende oder Abgeblendet für maximale Schärfe, Welche Belichtungszeiten und damit auch welche ISO-Einstellungen??? Entschieden habe ich mich für Offenblende, die Motive sind weit genug weg, über einen Mangel an Schärfentiefe sollte ich also nichts zu klagen haben. ISO auf 1000 um Belichtungszeiten von rund 30 Sekunden zu erreichen. Die Fotografie hat dann auch ganz gut funktioniert, leider aber habe ich für die Brennweite die falschen Motive ausgesucht. Ferne Galaxien und Nebel sind zwar auf den Bildern zu sehen, leider jedoch viel zu klein. Die Belichtungszeiten gehören auch deutlich länger, da viele Details einfach so lichtschwach sind, dass sie in 30 Sek. Belichtungszeit nicht aufgenommen werden können. Die ISO muss auch runter, um die Details nicht im Rauschen zu verlieren. Dummerweise hat uns dann auch noch das Seeing, also die Bildunschärfe durch Luftunruhe arge Probleme bereitet. Diese Unruhe wird durch unsere Atmosphäre verursacht, vergleichbar mit dem Flimmern heisser Luft über Asphalt im Sommer, das wohl jeder kennt.

Meine Erfahrungswerte aus dieser Geschichte: Astrofotografie ist was für Könner. Um hier zu guten Ergebnissen zu kommen ist viel mehr als Laienwissen erforderlich. Ich arbeite daran, sofern ich hierfür die Zeit erübrigen kann. Mal sehen, ob ich da was in diesem Jahr noch reissen kann.

Jedenfalls hat es trotz viel Ärger, Schimpfen und Fluchen auch reichlich Spass gemacht, sich an Neuem zu versuchen. Meine Aufnahmen sehe ich sportlich, sie sind zwar nicht toll aber erfüllend.

Wer die Sterne betrachtet, sieht die Zeit!

Mein Kamerasensor hat Photonen eingefangen, die vom Motiv zu einem Zeitpunkt abgestrahlt wurden als noch keine Menschen auf Erden wandelten. Ein Blick in die Vergangenheit sozusagen. Dies lässt die Bilder in einem neuen Licht erscheinen und gibt mir doch ein großes Gefühl der Freude. Wann ist ein Bild gut? Braucht es die Bewunderung anderer oder reicht die eigene Freude daran? Ich habe diese Frage für mich selbst schon lange beantwortet.

Hier dann mal ein paar Bilder. Leider kann ich nichts zu den Objekten sagen, wir haben uns nach dem ganzen Aufwand dummerweise keine Notizen dazu gemacht :-(.

Wolkenstreifen

Wolkenstreifen

Ein roter Nebel, wenn auch sehr schwach und verschwommen

Ein roter Nebel, wenn auch sehr schwach und verschwommen

Sternhaufen mit Sternschnuppenspur direkt darunter

Sternhaufen
mit Sternschnuppenspur direkt darunter

blauer Nebel

blauer Nebel

2 oder evtl. sogar 3 ferne Galaxien

2 oder evtl. sogar 3 ferne Galaxien

blauer Ringnebel im oberen linken Bildteil

blauer Ringnebel
im oberen linken Bildteil

Sternenhaufen, aber welcher???

Sternenhaufen, aber welcher???

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4 Gedanken zu „Stefans misslungene Versuche in der Astrofotografie

  1. Hallo Stefan,
    Mir gefällt dieser Beitrag unfassbar gut. Ich habe mich zigmal selber wieder erkannt und hätte auch sicherlich dieselben Fehler gemacht. Aber Hey, so wie ich das sehr hast du die Fehler ja bereits selber gesehen und kannst die nächstes mal verhindern. Ich persönlich bin eher auf die ’normalen‘ sternenfotos aus, Milchstraße + interessantes Motiv. Da mein Vater aber auch ne Nachführung und ein 600er 4.0 ( glaube ch zumindest dass es 4,0 war ) von nikon hat , son Riesen Teil, werde ich mich da auf jedenfall mal dran versuchen. Du hast ja scheinbar auch schon eine super Ausrüstung, vor allem von d800/E bin ich ja sowieso vollendst überzeugt 🙂
    Mach weiter so, deine Art zu schreiben liest sich sehr sehr angenehm 🙂
    Lieben Gruß,
    Sarah

    • Hallo Sarah,
      ich habe zwar viele chaotische Eigenschaften, aber aus den eigenen Fehlern lernen kann ich, hatte ja schon reichlich Gelegenheit dafür :-D.
      Für die DeepSpace-Fotografie wird auch das 600er nicht reichen, diese Spielwiese bleibt den großen Astroteleskopen vorbehalten, es sein den, Du suchst Dir die wirklich großen Objekte aus. Diverse Nebel und Sternhaufen bieten sich da an.
      Dass Dir meine Art des Schreibens gefällt ist eine Streicheleinheit für meine Seele. In dem Bereich habe ich keine Ausbildung, schreibe einfach „frei Schnauze“. Schön, wenn das ankommt.
      Lieben Gruß zurück
      Stefan

      • Ha, das kenn ich, ich bin auch ziemlich chaotisch und geh öfters ungeplant an irgendwelche fotoprojekte. 😀
        deepspace ist auch eigentlich nicht soooo mein interesse.. Ich werds mal ausprobieren aber warscheinlich beim normalen sterne knipsen bleiben. ich behaupte einfach mal, dass man mit der kombi 600er, d800 und nachführung schon n bisschen machen kann, da sich die bilder der 800 ja schon n bisschen croppen lassen. Um jetzt wirklich professionell ferne galaxien zu fotografieren ist mir das passende zuebhör bzw die ausrüstung ehrlich gesagt zu teuer. Lohnt sich hobbymäßig nicht, wenn man sich darauf nicht spezialisieren will.
        Hehe, die Streicheleinheit deiner Seele hab ich gern getan 😉 Ich mag die frei schnauze art, nicht dieses verbissene.
        lieben gruß und viel erfolg bei den nächsten versuchen
        sarah

  2. Schön schön.
    Gute Astrofotografie ist schwierig. Ich versuche mich derzeit auch ein einem Neueinstieg, mit 300 oder auch knapp darunter kann man schon was erreichen. Das Geheimnis ist dann aber nicht die lange Belichtungszeit sondern das Zusammenrechnen mehrerer bis vieler Bilder (Stacking), da bekommt man auch die Nebel hin, muss man eben ‚gute‘ suchen. Mit meiner Crop und dem 300er habe ich sogar den Spiralnebel in den Jagdhunden eingefangen, ein Vorzeigeteil, zwar ganz winzig, aber es ist möglich. Das Stacking beherrsche ich aber auch nicht nicht.
    Letzten Endes geht aber an einer ordentlichen Brennweite nix vorbei. Z.B. 1000 mm Brennweite bei 15-20 cm Öffnung Spiegelfernrohr, nachgeführt. Es gibt da ein paar gute Blogs, gerade wenn man dann mal die Planeten will, wirds ganz haarig.

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