Hochwasser in Bayern


Ich habe mir gestern einen Tag freigenommen, um mir die Auswirkungen des Hochwassers genauer anzusehen. Die Tour startete an meinem Wohnort Augsburg, einer Drei-Flüsse-Stadt. Lech, Wertach und Singold sowie ein weit verzweigtes, künstliches Bach- und Kanalsystem sind Ursache dafür, dass die Stadt mit insgesamt 500 Brückenbauwerken sogar Venedig übertrifft. Tiefgreifende wasserwirtschaftliche Maßnahmen sorgen dafür, dass die Stadt eigentlich nie unter stärkeren Auswirkungen von Hochwassern zu leiden hat, eine Ausnahme war jedoch das Pfingst-Hochwasser im Mai 1999, bei dem nach einem Deichbruch an der Wertach Teile der Stadt und der Region überflutet wurden. Während damals der Pegel im Bereich Augsburg / Wertachmündung 553 cm erreichte (übertroffen noch im August 2005 mit 559 cm) blieb diesmal der Pegel mit ca. 370 cm deutlich darunter. Zwar viel Wasser, aber kein Vergleich zur katastrophalen Situation in Passau. Hier mal ein Bild, aufgenommen vom Hochablass. Aufgrund der Wassermassen und einer Großbaustelle war hier kein Standort für ein ansprechendes Bild zu finden.Hochablass Augsburg

Nächster Punkt der Tour war die Paar in Ihrem Oberlauf bei Merching. Auch dieser eigentlich kleine Fluss hat im Jahr 1999 für erhebliche Überschwemmungen gesorgt. Dies war Anlass für Schutzmaßnahmen, so wurde im Bereich von Merching bei Putzmühle ein Hochwasserrückhaltebecken errichtet. Eine in meinem Augen perfekte Umsetzung, die durch ihren naturnahen Charakter von hoher Bedeutung ist. Unbegradigt kann hier die Paar durch die Wiesen schlängeln und bildet Lebensraum für viele Tiere und Pflanzen. Putzmühle

Eine ganz anderes Bild zeigte die Paar dann ca. 40 km weiter, im Raum um Aichach. Auf dieser Strecke hatte sie reichlich Zufluss bekommen und trat vielerorts über die Ufer. Anwohner berichteten, dass dies wohl das stärkste Hochwasser sei, das Sie überhaupt festgesellt haben. Viele Straßen waren wegen Überflutung gesperrt und ein Weiterkommen nur mit viel Vertrauen in die Waatfähigkeiten meines Autos möglich. Oft ging aber eben auch nichts mehr und erhebliche Umwege waren die Folge.Paar

Felder waren großflächig überflutet und hatten die Anmutung einer Seenlandschaft.Feld bei Kühbach

Viele Felder verfügen ja über Entwässerungsgräben und -Rohre, aufgrund der Wassermassen bildetet sich an diesen Stellen dann starke Strudel. Strudel bei Kühbach

Viele Menschen waren trotz der Wassermassen unterwegs, teils Landwirte, die die Fluten auf den von Ihnen bewirtschafteten Flächen kontrollieren wollten, aber auch Familien, die den Kindern das Schauspiel zeigen und erklären wollten. Hochwasserspaziergang

Nächster Halt sollte Neuburg an der Donau sein, irgendwie habe ich dort aber kein Bild zustande gebracht. Starkregen und missglückte Parkplatzsuche verhinderten eine ausgiebige Erkundung, so bin ich direkt zur Staustufe nach Bertholdsheim an der Donau  weitergefahren. Gewaltige Wassermassen sorgten für einen ohrenbetäubenden Lärm und ein unvergessliche Demonstration dieser Naturgewalten.Donau bei Bertholdsheim

Von dort sollte es direkt nach Marxheim weitergehen, dort ist der Zusammenfluss von Lech und Donau. Die Strasse war jedoch, wie auch die Donaubrücke bei Bertholdsheim, gesperrt, also wieder zurück nach Neuburg, über die Donau drüber und den Weg über die B16 am anderen Donauufer versuchen. Der Weg führte an Moos bei Burgheim vorbeiMoos bei Burgheim

und wurde an der Donaubrücke bei Marxheim erneut durch Überflutung gestoppt. Der gesamte Auwald stand unter Wasser und vertrieb alles Wild auf der Suche nach trocknem Boden.Donaubrücke bei Marxheim

Dieser Rehbock konnte mich aufgrund des lauten Wasserrauschens nicht hören, so war mir eine Annäherung bis auf wenige Meter möglich.Rehbock bei Marxheim

Um Marxheim auf dem anderen Ufer zu erreichen und so den Zusammenfluss von Lech und Donau einsehen zu können, blieb nur noch der Weg über Donauwörth, hier war die einzige befahrbare Brücke in der Region. So habe ich dann diesen Weg versucht. In Donauwörth die Donau überquert und wieder auf der anderen Uferseite Richtung Marxheim. Auf dem Weg entstand dann dieses Bild vom Sportplatz Altisheim.Sportplatz Altisheim

Ein kurzer Überblick über das überflutete Donaualtwasser bei Leitheim:Donaualtwasser bei Leitheim

Schließlich habe ich dann doch noch Marxheim erreicht. Leider wieder Starkregen mit sehr eingeschränkter Sicht, den Zusammenfluss von Lech und Donau konnte man nur erahnen, daher leider kein Bild. Dafür eine Aufnahme des überfluteten Auwaldes  im Regen.Auwald bei MarxheimDann habe ich so langsam den Heimweg angetreten, wieder zurück nach Donauwörth und auch hier noch ein paar Bilder gemacht. Hier der Zusammenfluss von Wörnitz und Donau.DonauwörthIn Donauwörth dann wieder einige Umwege, in manchen Straßen stand das Wasser meterhoch.3,5m DonauwörthManche Schilder regeln dann nur die Vorfahrt von Hecht und Karpfen.Hechte haben Vorfahrt DonauwörthIngesamt ein toller Ausflug mit vielen unvergesslichen Eindrücken. Vergessen darf man nur nicht dabei, dass viele Menschen erhebliche materielle und finanzielle Schäden erlitten, überflutete Keller und vernichtete Ernten sind da nur zwei Beispiele. Bleibt nur zu hoffen, dass die angerichteten Schäden schnell beseitigt werden können und die Betroffenen angemessene Hilfe und Unterstützung erhalten.

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4 Gedanken zu „Hochwasser in Bayern

  1. Es sind beeindruckende Bilder, keine Frage! Haben aber auch was beängstigendes. Ich hoffe daß den Leuten, die fast alles in den Fluten verloren haben, auch angemessen geholfen wird und nicht immer nur Banken und Finanzmärkte gerettet werden.
    LG kiki

    • Hallo Kiki,
      ja, da bin ich mal gespannt, wie weit die Hilfe geht, die unsere „Angie“ da versprochen hat. In vielen gefährdeten Regionen ist es ja gar nicht mehr möglich, eine entsprechende Elementarversicherung abzuschließen, die Versicherungsgesellschaften lehnen hier meist das erhöhte Risiko ab. So bleibt nur staatliche Hilfe. Ob nach den ganzen Banken- und Eurorettungsaktionen noch genug im Topf ist???
      LG Stefan

  2. Deine Fotos sind faszinierend und beängstigend zugleich. Und der Spuck dauert noch immer an. Ich will gar nicht wissen wie es in den überfluteten Häusern ausschaut und wieviele Milliarden an Schaden entstehen. Da kann man den betroffenen Menschen nur Mut zusprechen.
    Viele Grüsse,
    Gilles

    • Hi Gilles,
      faszinierend und beängstigend find ich eine gute Beurteilung, denn das war, was ich zeigen wollte. Wobei mein Schwerpunkt eher bei der „Faszination“ lag, die Beängstigung erfahren wir ja täglich in den Nachrichten. So habe ich die besonders betroffenen Regionen gemieden, natürlich auch, weil ich nicht als Hochwassertourist gelten, noch irgendwo im Weg stehen wollte. So ist aber einfach die Welt, wo Menschen ans Wasser bauen, gibt es eben auch mal nasse Füsse und auch viele Schäden. Ob in den Bergen die Lawine, an der Küste die Flut, die Natur wird immer stärker als der Mensch sein, damit müssen wir leben und uns entsprechend darauf einstellen. Hilfe und Unterstützung soll und muss gegeben werden, jedoch sollten wir alle versuchen, die Natur mehr zu respektieren, sie war, ist und bleibt wohl stärker als wir Menschen.
      Viele Grüße, Stefan

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